Wir über uns…

Das Schul-Projekt ‚Save-the-Kitz‘

Das Projekt ist aus einer Technik-Arbeitsgemeinschaft des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums in Lemgo entstanden, die ich als Lehrer für Biologie, Chemie und Physik seit 2014 leite. Es ist ein sogenanntes MINT-Projekt (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)

In der AG lernen die Schüler (und natürlich auch wir Betreuer)… So arbeiten die Schüler des EKG in den Werkstätten des Lüttfeld-Berufskollegs, unterstützt von zwei Techniklehrern. Technikspezialist Ingo Kirchhof von Kirchhof Automation leitet die Entwicklung der Fluggeräte, und die Ideen der Schüler fließen quasi von selbst in die Entwicklung der Technik und der Software mit ein.

Nachdem im Jahr 2018 unsere erste Wärmebild-Drohne entwickelt und alltagstauglich gemacht wurde, bauten wir zwei weitere Drohnen, so dass wir inzwischen über drei Drohnen mit Wärmebildtechnik verfügen. Die von uns entwickelten Drohnen sind speziell für die Rehkitzsuche optimiert und zeichnen sich durch eine – im Vergleich zu am Markt erhältlichen Komplettlösungen – doppelt so lange Flugzeit von bis zu 45 Minuten pro Akku, geringe Geräuschentwicklung (um Wild möglichst wenig zu beunruhigen), sowie vergleichsweise niedrige Anschaffungskosten aus.

Rehkitzsuchen können mit dem Morgengrauen beginnen und enden spätestens, wenn die Fläche von der Sonne beschienen wird. Bei bedeckter Witterung kann die Suche auch noch am späten Vormittag durchgeführt werden. Theoretisch ist jede unserer Drohnen in der Lage, in nur 45 Minuten ohne Zwischenlandung eine Fläche von 17 Hektar Wiese systematisch nach Rehkitzen abzusuchen. Da in der Praxis die Drohne jedoch öfter angehalten werden muss, um Kitze zu identifizieren und Ihren Aufenthaltsort in der Fläche mit einem Stab zu markieren, beschränken wir uns auf 5 bis 6 Hektar pro Akku.

Seit dem Frühjahr 2019 bilden wir auch ehrenamtliche Piloten aus, die zum großen Teil Jäger sind. Inzwischen sind somit außer ca. 20 Schülern der AG auch 14 Ehrenamtliche beteiligt. Teil des Teams ist ein Jäger, der sich privat eine Drohne gekauft hat. Eine weitere privat gekaufte Drohne können wir bei besonders hoher Nachfrage ausleihen, so dass wir momentan zu Spitzenzeiten mit bis zu 5 Wärmebilddrohnen parallel im Einsatz sind. In der Praxis können wir derzeit an einem Morgen bis zu 80 Hektar Wiesen absuchen. Bei zwei „Großeinsätzen“ haben wir bereits erfolgreich um die 60 Hektar an einem Morgen abgesucht.

Logistische Unterstützung bei der Planung der Einsätze erhalten wir von der betriko GmbH, die uns kostenfrei die Plattform ‚Agrarmonitor‘ zur Verfügung stellt. Die Konstruktion der Drohnen findet in den Werkstätten des Lüttfeld Berufskolleg statt und wird von Fachlehrern des Berufskollegs begleitet. Die technische Leitung des Projektes liegt bei Herrn Ingo Kirchhof von Kirchhof Automation.

Auf die vorläufige Bilanz der diesjährigen Mähsaison 2019 sind wir durchaus stolz; seit dem ersten Einsatz am 3. Mai 2019 haben wir

  • viele Einsätze geflogen, zum Teil mit bis zu 5 Drohnen-Teams parallel,
  • Wiesen mit einer Gesamtfläche von ca. 500 ha abgesucht und dabei
  • 96 Kitze geborgen (Stand Ende Juni 2019).

Unsere Technik funktioniert sehr zuverlässig, bei guten Bedingungen und erfahrenen Teams finden wir zuverlässig 9 von 10 in der Wiese abgelegten Kitze. Dies können wir behaupten, da wir natürlich Rückmeldung erhalten, wenn doch ein Kitz beim Mähen der abgesuchten Wiese getötet wurde. Nach anfänglichen Rückschlägen fixieren wir inzwischen die geborgene Kitze am Rand der Wiese, da sie ansonsten häufig wieder in die Fläche zurückkehren.

Ein Problem stellen momentan noch Kitze dar, die bereits so mobil sind, dass sie bei Annäherung der Drohne oder des Helfers abspringen und aus der Fläche flüchten. Es hat sich gezeigt, dass diese Kitze nicht selten nach dem Einsatz in die Fläche zurückkehren. Daher möchten wir in Zukunft in solchen Fällen mit Vergrämungsmaßnahmen arbeiten. Auch sollte die Zeit zwischen Suche und Mahd möglichst kurz sein.

Das Interesse der Öffentlichkeit ist enorm, sodass in diesem Jahr bereits zwei Fernsehbeiträge sowie mehrere Radiobeiträge beim WDR über ‚Save the Kitz‘ berichteten. Radio Lippe war auch dabei, ebenso die ‚Lippische Landeszeitung‘ mit Wort- und Bildbeiträgen.

In der Zukunft werden wir das Projekt auf eine erheblich breitere Basis stellen, was die Anschaffung weiterer Drohnen und die systematische Ausbildung zusätzlicher Piloten notwendig macht. Die Nachfrage ist so groß, sodass wir aufgrund Drohnen- bzw. Pilotenmangels gehäuft angefragte Einsätze absagen müssen. Aus Sicht des Artenschutzes wäre wünschenswert, in Zukunft Drohnen mit noch leistungsfähigeren Wärmebildkameras auszustatten. So könnten Gelege von Wiesenbrütern identifiziert und geschützt werden. Leider sind derartige Wärmebildkameras mit etwa etwa 4000 Euro sehr teuer und wir können daher voraussichtlich in 2020 zunächst nur zwei unserer Drohnen mit derart teurer Technik ausstatten.

Ziel unseres Projektes ist es, verschiedene Interessengruppen aus der Landwirtschaft, den Jagdverantwortlichen und dem Naturschutz zusammen zu bringen. Die Jugendlichen, die maßgeblich an dem Projekt beteiligt sind, lernen daraus auch für ihre Zukunft.

(Dr. Daniel Muschiol, Projektinitiator)